Brettspiele Review

Carpe Diem

In der Herbstneuheit „Carpe Diem“ von Stefan Feld verschlägt es uns Spieler in das alten Rom. Wir müssen als einflussreiche Patrizier unser eigenes Stadtviertel durch wertvolle Gebäude und ertragreiche Landschaften aufblühen lassen, um am Ende des Spieles mit den meisten Siegpunkten als Gewinner aus der Partie zu gehen. Können wir hier ein neues „Die Burgen von Burgund“ erwarten oder sollen wir uns lieber – getreu dem Motto „Nutze den Tag“ – lieber mit anderen Brettspielen unsere Zeit vertreiben? Wir finden es heraus!

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Aufbau

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler sein eigenes Bau-Tableau und vier zufällige Rahmenteile, die er um sein Stadtviertel legt. Auf den markierten Feldern des Bau-Tableaus werden neun Banderolen gelegt, die – wenn man sie im späteren Spielverlauf mit Plättchen überbaut – einen Schritt auf der Banderolenleiste einbringen. Eine Übersichtstafel dient nicht nur als Lager für eigene Marker und Rohstoffe, sondern bietet auch eine Zusammenfassung der wesentlichen Regeln. Damit spart man sich das lästige Nachschlagen im Regelwerk, sehr schön.

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Auf dem großen Spielbrett werden am unteren Rand die 11 Felder mit dunkelgrünen Bauplättchen belegt, die sieben großen, quadratischen Felder werden mit jeweils vier hellgrünen Plättchen versehen. Je nach Spieleranzahl wird aus den Wertungskarten (vier verschiedene Arten mit unterschiedlichen Rückseiten) eine bestimmte Anzahl an Karten ausgewählt und auf dem Spielplan offen ausgelegt. Mit der Wahl des Startspielers kann das Spiel dann auch schon beginnen. Ziel ist es nun in vier Durchgängen bestehend aus sieben Runden möglichst viele Siegpunkte zu sammeln.

Spielverlauf

Wenn ein Spieler am Zug ist, bewegt er seine Spielfigur von einem der sieben Felder auf dem Spielplan auf eines der zwei gegenüberliegenden Felder, um sich dort eines der ausliegenden Plättchen zu nehmen. Sollte dabei das Feld keine Plättchen mehr aufweisen, muss der Spieler von dort aus seine Figur direkt weiter bewegen, bis er schließlich auf einem Feld mit einem Plättchen landet. Mit einem eingesetzten Brot kann der Spieler diese Regel auch außer Kraft setzen und seine Figur entweder gar nicht bewegen oder sie auf ein beliebiges Feld stellen. Da Brot aber eine wertvolle Ressource und sehr schwer zu bekommen ist, sollte man genau abwägen, wann und ob man es einsetzen möchte.

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Das genommene Plättchen muss dann direkt auf dem eigenen Bau-Tableau eingebaut werden, wobei man einige Legeregeln zu beachten hat. Ein Plättchen darf nur angrenzend an bereits platzierte Plättchen gelegt werden und muss dabei mit der Landschaft oder dem Gebäude übereinstimmen. So darf nur ein Teich an einen anderen Teich oder eine Villa an eine andere Villa angelegt werden. Je nach Landschaft oder Gebäude, welches durch das Legen eines Plättchens vervollständigt wurde, erhält der Spieler verschiedene Dinge.

Eine Landschaft bringt dem Spieler die passende Ware ein. So erhält er zum Beispiel bei einem fertiggestellten Teich eine bestimme Anzahl an Fischen. Die vier verschiedenen Unterkünfte bringen entweder Brote oder Münzen (dienen als Joker), extra Bau-Plättchen oder Schritte auf der Banderolenleiste. Die kleinen Gebäude – die nur aus einem einzigen Plättchen bestehen – bringen ebenfalls Münzen und Brote oder sogenannte Brunnenkarten. Diese Karten bieten zusätzliche Möglichkeiten am Spielende an Siegpunkte zu gelangen. Man sollte hier tunlichst darauf achten, dass ein Spieler nicht zu viele dieser Brunnenkarten bekommt, da sie am Ende doch einen großen Bonus einbringen können. Die Villen – die beliebig groß gebaut werden können – bringen am Spielende noch einmal ordentlich Siegpunkte ein, müssen aber auch fertiggestellt werden, um überhaupt gewertet zu werden.

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Nach jeder der vier Runden kommt es zu einer Wertungsphase, in der die Spieler – beginnend bei dem Spieler, der auf der Banderolenleiste ganz vorne bzw. oben liegt – einen ihrer Spielsteine zwischen zwei Wertungskarten legen, um sie auszulösen. Diese erfordern entweder die Abgabe von Rohstoffen oder den Besitz von bestimmten Landschaften oder Gebäuden und bringen entsprechend viele Siegpunkte ein. Die Besonderheit dabei ist, dass die gelegten Spielsteine nicht wieder entfernt werden und damit den Platz zwischen zwei Wertungskarten für den Rest des Spieles blockieren. Somit muss man im Vorwege genaustens planen, wann man welche dieser Karten auslösen möchte. Das macht es fast zur wichtigsten Aufgabe im Spiel auf der Banderolenleiste ganz vorne zu sein, denn nur so kann ich als Erster die passenden Wertungskarten auslösen.

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Am Spielende werden dann – wie bereits oben beschrieben – die fertiggestellten Villen und mögliche Brunnenkarten gewertet. Ebenfalls erhält man so viele Siegpunkte, wie der eigene Marker auf der Banderolenleiste anzeigt. Und auch die restlichen Materialien auf dem Lagerfeld geben noch einige Punkte. Wer nun die meisten Siegpunkte hat, ist der Gewinner von „Carpe Diem“.

Material

Das Material von „Carpe Diem“ ist solide. Die Plättchen sind stabil und zeigen deutlich, was auf ihnen abgebildet ist. Das wenige Holzmaterial – es hätte ruhig etwas mehr sein können – und die Pappmarker sind ebenfalls von guter Qualität. Der große, negative Kritikpunkt ist das Design beziehungsweise die Optik des Spieles. Es sieht leider alles so aus, als hätte es schon die einen oder anderen Jahre auf dem Buckel. Da sind wir bereits in der „alea“-Reihe besseres gewohnt – siehe zum Beispiel „Bora Bora“.

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Fazit

Wer sich nicht vom altmodischen Look von „Carpe Diem“ abschrecken lässt – bekanntlich zählen ja immer die inneren Werte – der hat mit dem Spiel ein abwechslungsreichen und grundsolides Kennerspiel vor sich. „Carpe Diem“ bietet einen guten Spieleinstieg und viele Möglichkeiten, ist aber zu keiner Zeit zu komplex oder schwergängig. Das Wertungssystem am Ende einer jeden Runde bietet zudem etwas Neues und setzt eine gute Planung voraus. Ein neues „Die Burgen von Burgund“ haben wir hier leider nicht, aber durchaus einen guten Stefan Feld Titel, der auf vielen Spieleabenden für Spaß und rauchende Köpfe sorgen wird – im positiven Sinne natürlich.

8/10 Punkte

Überblick

Spiel: Carpe Diem

Autor: Stefan Feld

Verlag: Ravensburger Spieleverlag/alea

Spieler: 2 bis 4

Spieldauer: 45 bis 75 Minuten Minuten

Vielen Dank an den Verlag „Ravensburger Spieleverlag“ für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplares von „Carpe Diem“

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